Vier von zehn LinkedIn-Beiträgen, die länger als 250 Wörter sind, wurden in einer aktuellen Untersuchung als vollständig von einer KI geschrieben eingestuft. Damit liegt LinkedIn vor jeder anderen der fünf untersuchten Plattformen – deutlich vor X, Reddit, Substack oder Medium. Das Analyse-Unternehmen Pangram hat dafür über eine Million Beiträge ausgewertet, die Nutzer seiner Browser-Erweiterung freiwillig zur Auswertung freigegeben haben.
LinkedIn selbst reagiert seit dem 30. Juli 2026 darauf. Wer im Feed einen Beitrag sieht, der ihm zu glatt, zu generisch oder einfach zu sehr nach ChatGPT klingt, kann ihn seitdem über das Drei-Punkte-Menü melden – mit der Option "Seems like AI slop". Für dich als Unternehmer, der regelmäßig auf LinkedIn postet, ist das mehr als eine technische Randnotiz.
Was am 30. Juli passiert ist
LinkedIns Chief Product Officer Hari Srinivasan hat die Änderung in einem eigenen Beitrag angekündigt und klar als Priorität bezeichnet. Konkret bringt das Update vier Neuerungen mit sich:
- Der neue Meldebutton fließt direkt in die Klassifizierer ein, mit denen LinkedIn erkennt, ob ein Beitrag KI-Slop oder anderweitig minderwertig ist. Das wirkt sich darauf aus, wie oft ein Beitrag außerhalb deines eigenen Netzwerks vorgeschlagen wird.
- LinkedIn blockiert nach eigenen Angaben inzwischen hunderttausende automatisierte Kommentarversuche pro Tag und hat in den vergangenen Monaten Millionen weiterer Automatisierungsversuche gestoppt.
- Die bisherige Schreibfunktion "Enhance post", die Beiträge mit KI umformulierte, wird abgeschafft. An ihre Stelle tritt eine reine Korrekturfunktion, die Rechtschreibung und Grammatik prüft, aber die eigene Stimme nicht verändert.
- LinkedIn testet außerdem eine private Rückmeldung im Analytics-Dashboard: Wer viel entsprechendes Feedback bekommt, sieht künftig einen Hinweis, dass der eigene Beitrag auf andere unauthentisch oder zu KI-lastig gewirkt hat.
Wichtig für die Einordnung: KI-Nutzung an sich ist damit nicht verboten. Srinivasan hat öffentlich klargestellt, dass Mitglieder, die KI nutzen, um eigene Gedanken zu schärfen, das weiter tun können sollen. Gemeldet werden soll das, was wie automatisch produzierter Text ohne echte Substanz wirkt.
Warum LinkedIn jetzt eingreift
Der Auslöser ist die eingangs genannte Pangram-Studie. Sie zeigt einen zweiten, für LinkedIn unangenehmeren Wert: Obwohl LinkedIn-Beiträge nur rund ein Drittel aller ausgewerteten Beiträge ausmachten, stammten fast zwei Drittel (62 Prozent) aller als KI-generiert markierten Inhalte von dort. Kein anderes Netzwerk in der Studie kam auch nur annähernd an diesen Anteil heran. Über alle Plattformen und Beitragslängen hinweg lag die durchschnittliche KI-Quote bei 13,8 Prozent; bei längeren Beiträgen über 250 Wörtern stieg sie plattformübergreifend auf rund ein Viertel.
LinkedIn-Beiträge machten ein Drittel der untersuchten Inhalte aus – aber fast zwei Drittel von allem, was als vollständig KI-generiert markiert wurde.
Das deckt sich mit einer Beobachtung, die viele im eigenen Feed längst gemacht haben: Beiträge, die mit einem dramatischen Einzeiler beginnen, dann in kurze Absätze mit auffällig vielen Emojis zerfallen und in einem Fazit enden, das nichts Neues sagt, häufen sich. Genau dieses Muster will LinkedIn jetzt zurückdrängen.
Was das für dein Unternehmen bedeutet
Wenn du für dein Unternehmen selbst auf LinkedIn postest oder das jemand für dich übernimmt, betrifft dich das direkt – auch wenn du nie vorhattest, Beiträge komplett von einer KI schreiben zu lassen. Zwei Dinge lohnen sich, jetzt zu verstehen:
Erstens: Reichweite außerhalb deines eigenen Netzwerks entscheidet zunehmend darüber, ob dich auch Menschen sehen, die dich noch nicht kennen – und genau da setzt der neue Mechanismus an. Ein Beitrag, der wie KI-Slop wirkt, wird dort seltener vorgeschlagen, unabhängig davon, ob er tatsächlich komplett von einer KI stammt oder nur ungeschickt formuliert ist.
Zweitens: Für ein kleines Unternehmen aus dem Ruhrgebiet ist das eher eine Chance als ein Risiko. Ein Dachdeckerbetrieb aus Bochum, der über den tatsächlichen Sturmschaden von letzter Woche schreibt, mit echten Zahlen und einem echten Foto von der Baustelle, klingt naturgemäß nicht wie ein austauschbarer KI-Text. Genau solche Beiträge werden jetzt relativ gesehen wertvoller – weil ein wachsender Teil der Konkurrenz im Feed daran scheitert.
5 Schritte für Beiträge, die niemand meldet
1. Schreib zuerst selbst, dann erst mit KI überarbeiten
Formulier deinen Gedanken in drei, vier Sätzen selbst, so wie du ihn einem Kunden am Telefon erzählen würdest. Erst danach ist es sinnvoll, ein KI-Tool für Rechtschreibung oder Struktur einzusetzen – nicht umgekehrt. Schreibt die KI den ersten Entwurf, verschwindet meistens genau das, was einen Beitrag glaubwürdig macht: die eigene Wortwahl.
2. Streich die typischen KI-Marker
"In der heutigen schnelllebigen Zeit", "Lass uns eintauchen", durchnummerierte Absätze voller Emojis, ein Fazit, das nichts sagt, was nicht schon im Beitrag stand – das sind Muster, an denen sowohl Menschen als auch LinkedIns Klassifizierer KI-Text erkennen. Lies deinen Entwurf noch einmal: Würdest du das genauso am Empfangstresen sagen?
3. Bau konkrete, überprüfbare Details ein
Ein Name, ein Ort, eine Zahl aus deinem eigenen Alltag machen aus einem generischen Beitrag einen glaubwürdigen. "Ein Kunde in Hattingen" statt "ein Kunde". "Drei von fünf Anfragen kamen letzten Monat über Google" statt "die Nachfrage steigt". KI-Texte generalisieren, weil sie deine konkreten Details nicht kennen – die hast nur du.
4. Nutz die neue Korrekturfunktion statt der alten Schreibhilfe
Sobald LinkedIn die reine Korrekturfunktion für dich ausrollt, lohnt sich der Wechsel: Rechtschreibung und Grammatik prüfen zu lassen ist etwas anderes, als sich den ganzen Beitrag neu formulieren zu lassen. Der Unterschied ist für Leser und für LinkedIns Modelle spürbar.
5. Beobachte deine Reichweite außerhalb des Netzwerks
Schau dir in den nächsten Wochen in deinen Beitrags-Analysen an, wie viel Reichweite du außerhalb deines eigenen Netzwerks bekommst. Ein plötzlicher Einbruch bei sonst gleichbleibendem Format ist ein Signal, das jetzt eine neue Ursache haben kann – und einen Blick auf den eigenen Schreibstil wert ist.
Die gute Nachricht: Nichts von alledem ist neu erfunden. Es ist dieselbe Regel, die auf LinkedIn schon immer galt – konkret statt austauschbar, eigene Stimme statt Textbaustein. Nur dass sie jetzt auch technisch durchgesetzt wird.
Fazit
Der neue Button ändert nichts an der Grundregel, die auf LinkedIn schon immer galt: Beiträge, die nach einem echten Menschen mit einer echten Meinung klingen, funktionieren besser als solche, die nach niemandem klingen. Was sich ändert, ist das Tempo, mit dem LinkedIn selbst gegen das Gegenteil vorgeht. Wie du dein LinkedIn-Profil und deine Beiträge grundsätzlich so aufstellst, dass sie Anfragen bringen statt nur Reichweite, liest du in LinkedIn Profil optimieren: Warum Content nicht reicht und in LinkedIn-Reichweite: so kommst du aus deiner Blase. Und wenn du grundsätzlich wissen willst, wie sichtbar dein Unternehmen online insgesamt ist – auf LinkedIn, bei Google und in der KI-Suche –, ist der Online-Kunden-Check der richtige nächste Schritt.
Quellen
- "AI slop is a top priority for all of us" – Ankündigung von Hari Srinivasan (LinkedIn CPO)
- LinkedIn adds a button to report AI-generated 'slop'
- LinkedIn offers the option to report AI slop
- AI Content Is Everywhere on Social Media, Especially LinkedIn
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